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01.08.2016

Sozialpolitische Kerndaten der Papier und Kunststoffe verarbeitenden Industrie

Ausgabe August 2016

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e.V.,
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Berlin / Köln, August 2016

Vorbemerkung:

Auf den ersten Blick kann die Lage der Papierverarbeitenden Industrie im ersten Halbjahr 2016 als gut bewertet werden. Die Umsätze im Inland und Ausland konnten die Vorjahreswerte merklich übertreffen. Dies liegt aber zum Teil an den leicht anziehenden Preisen. Bei der Produktion ist dagegen keine deutliche Verbesserung zu beobachten. Die weltweit hohe Verunsicherung spiegelt sich auch in der Papierverarbeitenden Industrie wider.

  • Die globale Verunsicherung hat durch den möglichen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union nochmals zugenommen. Bereits seit geraumer Zeit hat das Wachstum der Schwellenländer nachgelassen. Die Länder Europas kommen ebenfalls noch nicht so richtig in Schwung. Gleichwohl konnte sich die deutsche Wirtschaft in diesem Umfeld vergleichsweise gut behaupten. Die Exportaussichten bleiben aber nach wie vor bescheiden. Die höhere Verunsicherung hat zuletzt auch wieder die Investitionstätigkeit hierzulande gedämpft. Dagegen expandiert der private und öffentliche Konsum anhaltend kräftig. Die niedrigen Energiepreise und Zinsen wirken bei den privaten Haushalten stimulierend. Der Staatsverbrauch legte infolge der migrationsbedingten Ausgaben zu.
  • Dieses unsichere globale Umfeld zeigt sich zum Teil auch in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie. Die Anzahl der Betriebe – wobei in der zugrundeliegenden Statistik nur Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigen berücksichtigt werden – lag im ersten Halbjahr 2016 leicht unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Seit Februar 2016 gab es jedoch kaum Veränderungen. Ein Vergleich mit den Jahren vor 2015 ist nicht möglich, da es zum Jahresbeginn 2015 zu einer statistischen Schwerpunktverlagerung von Betrieben kam.

  • Die höhere wirtschaftliche Unsicherheit zeigt sich auch in der Beschäftigungs-entwicklung in der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2016 wurden in dieser Branche im Durchschnitt knapp 82.500 Mitarbeiter registriert. Auch hier werden nur die Beschäftigten in Betrieben erfasst, die jeweils mehr als 50 Mitarbeiter haben.
  • Im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum legte die Anzahl der Beschäftigten im ersten Halbjahr 2016 ganz leicht zu. Der Jahresdurchschnitt 2015 wird deshalb unterschritten, weil vor allem im Spätsommer und Herbst 2015 ein starker Beschäftigungsaufbau in der Branche zu verzeichnen war.
  • Mit Blick auf die beiden bisherigen Quartale in diesem Jahr ergibt sich beim jeweiligen Vorjahresvergleich ein gemischtes Bild: Während in den ersten drei Monaten 2016 die Vorjahresbeschäftigung noch um 0,3 Prozent übertroffen werden konnte, so war im zweiten Quartal 2016 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ein Rückgang in dieser Größenordnung zu verbuchen.

  • In den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 lag in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie der durchschnittliche monatliche Bruttolohn oder das Bruttogehalt je Mitarbeiter bei 3.273 Euro. Die Einkommen im gleichen Vorjahreszeitraum wurden somit um 2,1 Prozent übertroffen.
  • Beim Vergleich des Einkommensniveaus mit den Jahresdurchschnitten sind zwei Faktoren zu berücksichtigen: (1) In den Jahreswerten schlagen sich eine Reihe von Sonderzahlungen – wie zum Beispiel das Urlaubs- und das Weih-nachtsgeld – nieder. Diese fallen zum Teil erst im zweiten Halbjahr an. Trotzdem lag das Niveau vom ersten Halbjahr 2016 bereits über dem Jahreswert 2015. (2). Die Betriebsverlagerungen in der Statistik dürften den langfristigen Zeitvergleich nicht beeinträchtigen, da sowohl die Anzahl der Mitarbeiter als auch die gesamte Einkommenssumme der Branche angepasst wurde.
  • Auf Basis der nominalen Einkommenserhöhung von durchschnittlich gut 2 Pro-zent ergeben sich angesichts der anhaltend niedrigen Inflation in Deutschland kräftige Realeinkommensanstiege der Beschäftigten in der Papierverarbeiten-den Industrie. Die Verbraucherpreise lagen im ersten Halbjahr 2016 – vor allem aufgrund der niedrigen Energiepreise – nur um 0,2 Prozent über dem Vorjahreswert.

  • Im Oktober 2014 einigten sich die Tarifparteien auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 26 Monaten (bis Oktober 2016). Dieser sieht drei Nullmonate und im Anschluss eine zweistufige Erhöhung der Tabellenwerte vor. Mit Wirkung vom 1. Dezember 2014 wurden die Entgelte um 2,4 Prozent angehoben, am 1. November 2015 folgte eine weitere Anhebung um 2,6 Prozent.
  • In der kalenderjährlichen Rechnung ergibt sich nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank eine Kostenbelastung von 2,5 Prozent für 2014 und eine von 2,8 Prozent für 2015. Dies ist deutlich weniger als 2013 (3,3 Prozent). Der Anstieg 2014 fiel niedriger als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (3,0 Prozent) aus, der Wert für 2015 liegt allerdings um 0,4 Prozentpunkte darüber.
  • Seit dem Jahr 2005 (Basisjahr) ergibt sich für die Papierverarbeitende Industrie ein jahresdurchschnittliches Tariflohnwachstum in Höhe von 2,4 Prozent. Auf Phasen mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum (2006/07, 2010-2012) folgen solche mit stärkerem Anstieg (2008/09, 2013). Seit 2014 liegt der kalenderjährliche Anstieg aber wieder unter 3 Prozent. Dies dürfte auch für das laufende Jahr 2016 gelten. Folgen bis zum Jahresende 2016 keine weiteren Lohnerhöhungen, läge die Belastung nach IW-Berechnungen bei 2,2 Prozent..

  • Das mit höheren Risiken behaftete Wirtschaftsumfeld der deutschen Unternehmen hat sich bislang nicht in den Umsätzen der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland niedergeschlagen. Im ersten Halbjahr 2016 belief sich der Gesamtumsatz der Branche auf 9,8 Milliarden Euro. Damit wurde der entsprechende Vorjahreswert um eine Viertel Milliarde Euro oder um 2,7 Prozent übertroffen.
  • Mit dieser Halbjahresleistung bestehen gute Chancen, das Umsatzvolumen vom vergangenen Jahr in Höhe von 19,3 Milliarden Euro zu erreichen. Damit könnte in diesem Jahr der seit 2011 anhaltende Umsatzrückgang in der Papierverarbeitenden Industrie gestoppt werden. Dies setzt dann allerdings eine stabile Entwicklung im weiteren Jahresverlauf 2016 voraus. Im Zeitraum 2011 bis 2015 gingen die Umsätze auf den ersten Blick durchgehend zurück – wobei für das Jahr 2015 die statistischen Veränderungen zu berücksichtigen sind.
  • Die Papierverarbeitende Industrie konnte sich im ersten Halbjahr 2016 sowohl auf dem Inlandsmarkt als auch auf den Auslandsmärkten vergleichsweise gut behaupten. Dabei muss allerdings auch bedacht werden, dass beide Teilmärkte im vergangenen Jahr einen Rückgang zu verbuchen hatten, der durch die aktu-elle Entwicklung zum Teil wieder ausgeglichen wird. Die gegenwärtig zu verzeichnenden Zuwächse sind als eine Erholung nach den vorhergehenden Einbrüchen zu bewerten.

  • Nachdem die Umsätze je Mitarbeiter in der deutschen Papierverarbeitenden Industrie im Zeitraum 2011 bis 2015 durchgängig rückläufig waren, scheint sich zumindest beim Blick auf das erste Halbjahr 2016 eine Erholung abzuzeichnen. Der Langfristvergleich ist insofern möglich, weil durch die Statistikumstellung sowohl die Umsatz- als auch die Beschäftigungszahlen angepasst wurden.
  • Je Mitarbeiter wurde im Durchschnitt der ersten sechs Monate dieses Jahres ein monatlicher Umsatz in Höhe von 19.637 Euro realisiert. Dieser Wert übertrifft den entsprechenden Vorjahreswert um 2,6 Prozent. Da die Anzahl der Mitarbeiter nur geringfügig anstieg, entspricht dies nahezu dem Anstieg des Gesamtumsatzes.
  • Auch der aktuelle Anstieg bei dieser Leistungskennziffer muss vor dem Hinter-grund der mittelfristigen Verschlechterung gesehen werden. Nach wie vor erreichen die Umsätze je Mitarbeiter in der Papierverarbeitenden Industrie nicht das Niveau der Jahre 2010 bis 2013. Der im Jahr 2011 realisierte Rekordwert in Höhe von über 20.700 Euro wurde trotz der Erholung im Durchschnitt der ersten sechs Monate dieses Jahres noch um mehr als 1.100 Euro oder um gut 5 Prozent verfehlt..

  • In den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 konnte die deutsche Papierverarbeitende Industrie sowohl im Inlands- als auch im Auslandsgeschäft einen Anstieg ihrer Umsätze verzeichnen. Da die Auslandsumsätze stärker zulegten als die Inlandsumsätze ist die Exportquote der Branche zuletzt wieder angestiegen. Im ersten Halbjahr 2016 entfielen 28,4 Prozent des Gesamtumsatzes auf ausländische Kunden. Lässt man den Jahreswert 2015 – als die Auslandsumsätze erheblich stärker nachgaben als die Inlandswerte – außen vor, dann hat das Auslandsgeschäft derzeit die niedrigste Bedeutung seit dem Jahr 2007.
  • Während die Inlandsumsätze im Zeitraum Januar bis Juni 2016 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 2,5 Prozent zulegen konnten, war beim Auslandsgeschäft ein Plus in Höhe von gut 3 Prozent realisierbar.
  • Beim Auslandsgeschäft sind derzeit unterschiedliche Geschwindigkeiten zu beobachten: Die Umsätze mit Kunden aus dem Euroraum lagen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 0,9 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. Dagegen legten die Geschäfte mit Kunden außerhalb des Euroraums gleichzeitig um 7,6 Prozent zu. Auch hier gilt es zu bedenken, dass im vergangenen Jahr auf den Märkten außerhalb Europas die stärksten Einbrüche zu verorten waren – und somit die derzeit beachtlichen Zuwächse in erster Linie eine Erholung von diesen Rückschlägen darstellen.

  • Das moderate weltwirtschaftliche Umfeld zeigt sich – neben der Beschäftigung – vor allem beim Blick auf die Produktion in der Papierverarbeitenden Industrie in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2016 lag die Gesamtproduktion der Branche zwar um 0,4 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. Die Produktionsleistung vom Gesamtjahr 2015 wurde aber unterschritten.
  • Der Produktionsrückgang, der nach 2011 einsetzte, konnte somit noch nicht gestoppt werden. Das Produktionsniveau lag im ersten Halbjahr 2016 insgesamt um 6,8 Prozent unter dem Höchstwert des Jahres 2011.
  • Ein genauer Blick auf die beiden Quartale 2016 zeigt unterschiedliche Befunde: Während im ersten Quartal die entsprechende Vorjahresleistung noch um 0,8 Prozent verfehlt wurde, so konnte im zweiten Quartal ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 1,7 Prozent erzielt werden.
  • Produktion und Umsätze haben sich im ersten Halbjahr 2016 deutlich unterschiedlich entwickelt – und zwar aus folgenden Gründen: Zum einen haben leichte Preisanstiege zu einer besseren Umsatzentwicklung beigetragen. Zum anderen kann ein Teil der Umsätze aus Lägern – und somit nicht aus aktueller Produktion – und aus branchenfremder Produktion stammen.

  • Möglicherweise war bei den Erzeugerpreisen in der Papiererzeugenden und in der Papierverarbeitenden Industrie im ersten Halbjahr 2016 eine Trendwende zu beobachten. Jedenfalls stiegen die Preise in beiden Branchen sowohl gegen-über dem ersten Halbjahr 2015 als auch gegenüber dem Gesamtjahr 2015 an. Ob es sich dabei um eine nachhaltige Veränderung handelt, muss sich erst noch zeigen.
  • In der Papierverarbeitenden Industrie lagen die Erzeugerpreise in den ersten sechs Monaten 2016 um 1 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. In der Papiererzeugenden Industrie konnte gleichzeitig sogar eine Preiserhöhung von 1,8 Prozent beobachtet werden. Dabei gilt zu beachten, dass in dieser Branche die Preise seit dem Jahr 2011 durchgängig rückläufig waren. In der Papierverarbeitenden Industrie war dagegen im gleichen Zeitraum mehr oder weniger Preisstabilität gegeben.
  • Damit hat sich die Papierverarbeitende Industrie erstmals seit geraumer Zeit von der Preisentwicklung in der gesamten Industrie leicht entfernt: Während die Preise in der Papierverarbeitung leicht anzogen, gaben sie in der Gesamtindustrie um 0,7 Prozent nach. In den vergangenen Jahren zeigten beide Gruppen nahezu den gleichen Preistrend – und zwar stabile Preise. Dies wurde durch die niedrigen Rohstoffpreise ermöglicht, wenngleich die deutschen Rahmenbedingungen im Energiesektor (z.B. EEG-Umlage) dem deutlich entgegen gewirkt haben.

  • Zwischen 2010 und 2015 sind die Lohnstückkosten jedes Jahr – also fünfmal in Folge – gestiegen. Auch im ersten Halbjahr 2016 hat sich gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum wieder ein sehr deutlicher Anstieg ergeben. Mit 3,2 Prozent fällt dieser in etwa so stark aus wie in den Jahren 2012 bis 2014 und ist sogar stärker als im Vorjahr. Stiegen die Lohnstückkosten im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal mit 0,7 Prozent nur schwach, legten sie im zweiten Quartal mit 5,6 Prozent (im Vergleich zum entsprechenden Vorjahres-zeitraum) umso stärker zu.
  • Auch die (arbeitstäglich bereinigte) Produktivität je Beschäftigten ist im ersten Halbjahr 2016 gegenüber den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 weiter gesunken (Rückgang 1,1 Prozent). Nach einer Stagnation der Produktivität im ers-ten Quartal 2016 (im Vergleich zum Vorjahresquartal) war die Produktivität im zweiten Quartal 2016 um über 2 Prozent niedriger als im zweiten Vierteljahr 2015.
  • Gegenüber dem Vorkrisenjahr 2007 erhöht sich das Lohnstückkostenniveau immer weiter. Bereits im Jahr 2015 lag es um fast 15 Prozent höher als 2007. Setzt sich die Anstiegsdynamik gegenüber dem Vorjahreszeitraum im Verlauf des Jahres 2016 im gleichen Tempo wie im ersten Halbjahr fort, werden die Lohnstückkosten 2016 um knapp 19 Prozent höher ausfallen als im Jahr vor der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise..

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